Reden ist Silber – Schweigen ist Gold. Dieses Sprichwort ist stimmig mit der Praxis des Schweigens. Im Yoga wird dies Mauna genannt. Sowohl in religiösen als auch spirituellen Traditionen wird das Schweigen als spirituelle Übung geschätzt und auch gepflegt. Es gibt Schweige-Exerzitien der christlichen Traditionen, Schweige-Retreats buddhistischer Praktizierender oder beispielsweise Schweigegelübde bei den Hindus – das freiwillig auferlegte Nicht-Reden scheint ein Bestandteil auf dem spirituellen Weges zu sein. Natürlich gilt es hier zu unterscheiden zwischen dem bewussten Schweigen als geistiger Disziplin und dem Schweigen aus Gleichgültigkeit, Schüchternheit, Wut, schlichtweg schlechter Laune oder krankheitsbedingt (wie aktuell bei mir)

Als aus einem Infekt das Fernbleiben meiner Stimme wurde, habe ich mich nun wieder an die bewusste Praxis und damit verbundene Qualität des Schweigens (Mauna) in den Ausbildungen erinnert. Die Entscheidung für eine Weile nicht mehr zu sprechen, die Stimme zu erheben und/ oder etwas zu sagen zu haben führt ganz tief in die Stille mit mir selbst und damit auch wieder in die eigene Wahrheit. Auf einmal fällt mir so viel auf und ein, was ich genau jetzt gerne sagen möchte. Das Geschenk eine Stimme zu haben wird bewusst und dass es eine Gabe ist, die mir geschenkt wurde. Immer wieder „höre“ ich, dass meine Stimme angenehm ist, man mir gerne zuhört und zur Ruhe kommt durch das Lauschen meiner Worte und damit meiner Stimme. Gern habe ich es lächelnd, verschämt abgetan – doch jetzt spüre ich dankbar : es ist etwas Besonderes. Selbst wenn ich in der Yogapraxis nicht direkt den Skorpion springen oder den Kopfstand alleine halten kann, ich kann andere darin anleiten und: ich habe eine Stimme, um mich auszudrücken.

Dieser Weg nach innen ist weder einseitig – noch Weltflucht, vielmehr dient er der Erkundung und Entfaltung. Weder Reden noch Schweigen sollen überbetont werden, sondern sich rhythmisch abwechseln, so wie zum Beispiel beim Ein- und Ausatmen oder Schlafen und Wachen. Überhaupt scheint Leben ohne Rhythmus nicht denkbar zu sein – und das ist gut so.

Schweigen und Sprechen sind Pole in einem eigenen Rhythmus. Sie sind eng miteinander verwoben, bedingen einander, wie das Volumen des Einatmens das Aus-Atemvolumen bedingt. Pflegt und veredelt man den einen, so erhöht und stärkt man auch den anderen. So vergoldet also Schweigen das Sprechen und umgekehrt.

Es gilt einen gesunden, stärkenden Rhythmus von Sprechen und Schweigen zu finden. Ich freue mich jedenfalls darauf, wenn ich meine Stimme wieder habe und höre. Die Praxis des bewussten Schweigens werde ich immer mal wieder pflegen.

Probiere auch Du es aus, ein paar Stunden, einen halben Tag oder ein Wochenende – wie auch immer, tauche ein in die Stille, lausche nach innen und lass Dich darauf ein auf Deinen eigenen sound of silence.

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